Europäische Luft geschnuppert

Lisa Dörr, 21, kommt aus Mandelbachtal im Saarland und studiert an der Uni Mannheim Politikwissenschaft und Öffentliches Recht auf Bachelor. Vom 5. Januar bis zum 13. Februar 2009 absolvierte sie ein Praktikum bei Jo Leinen und seinem Team  in Brüssel, über das sie hier berichtet.

 

Da ich mich im Rahmen meines Politikstudiums zum größten Teil mit der Europäischen Union beschäftige, lag für mich natürlich nichts näher, als mein Praktikum direkt im Zentrum des Geschehens zu machen- im Europäischen Parlament in Brüssel. Schon im Frühjahr 2008 hatte ich die Zusage, im Januar/ Februar 2009 für 6 Wochen im Abgeordnetenbüro von Jo Leinen mein Praktikum absolvieren zu können.

Gleich am ersten Tag hat mich das geschäftige Treiben im Parlament förmlich erschlagen. Mein Versuch, mir die Gesichter und Namen der Assistenten und auch noch Praktikanten aller 23 SPD- Abgeordneten zu merken, musste kläglich scheitern. Ähnlich erging es mir mit den Räumlichkeiten des Parlaments, durch das ich gleich zu Beginn einen Rundgang bekam. Noch nach einer Woche habe ich mich ab und an in diesem riesigen Gebäudekomplex verlaufen, und ich vermute, dass es Monate erfordert, um wirklich jeden Winkel kennenzulernen. Die Größe des Europäischen Parlamentes, sowohl von der Anzahl der Menschen als auch räumlich gesehen, und seine Organisation, beeindruckten mich auch nach 6 Wochen immer wieder aufs Neue.

Wie ich vor Ort feststellen konnte, hatte ich mir für mein Praktikum unwissentlich eine sehr spannende Zeit ausgesucht: so dominierten der Krieg im Gazastreifen und der Gasstreit mit Russland die Tagesordnung, und aufgrund der Mitgliedschaft von Jo Leinen im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten konnte ich die Debatten über diese Themen hautnah miterleben. Zudem stand auf der Agenda die neue tschechische Ratspräsidentschaft ganz oben. Ich hatte Gelegenheit, sowohl einer Diskussion mit dem tschechischen Außenminister Karel Schwarzenberg im Auswärtigen Ausschuss, als auch einer Diskussion mit dem tschechischen Europaminister Alexandr Vondra im Ausschuss für konstitutionelle Fragen beizuwohnen. Ebenfalls täglich erlebte ich die Debatten um den Vertrag von Lissabon mit, den die Tschechen trotz ihrer Ratspräsidentschaft als eines der letzten Länder noch immer nicht unterzeichnet hatten. In die letzte Woche meines Praktikums fiel auch noch die Verhandlung der Klage gegen den Lissabon-Vertrag vor dem Bundesverfassungsgericht in Deutschland.

Auch wenn ich leider nur 6 Wochen in Brüssel verbringen durfte, so konnte ich doch einen recht guten Einblick in die europäische Politik erhalten. Es ist beeindruckend, wie es bei 785 Abgeordneten möglich ist, den Überblick zu behalten und zudem meist einen Konsens zu finden, um das Leben in der EU stets ein bisschen besser zu gestalten. Sogar auf so hoher und für die normale Bevölkerung abstrakter Ebene versucht man stets, auch auf die Belange der einzelnen Bürger einzugehen. Das gewissenhafte Beantworten von Bürgeranfragen und das Wahrnehmen zahlreicher Termine im Wahlkreis stehen in der Prioritätenliste ganz oben.

Ich möchte mich bei Jo Leinen, Sandra Parthie und Mathias Eberlen für das kollegiale Arbeitsklima bedanken. Aus meinem Praktikum konnte ich zahlreiche neue positive Erfahrungen mitnehmen und werde diese Zeit in bester Erinnerung behalten.