Die EU im Kampf gegen den Krebs

Nach wie vor ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in der EU. Fast jeder dritte Mann und jede fünfte Frau stirbt an einer Form von Krebs. Alleine 2008 wurde die Krankheit bei 2,5 Millionen Menschen in der EU diagnostiziert, wobei Brust-, Gebärmutterhals-, Darm-, Prostata- und Lungenkrebs die am häufigsten auftretenden Krebsarten sind. Aufgrund des demographischen Wandels und einer glücklicherweise immer älter werdenden Bevölkerung wird sich die Zahl der Europäer mit Krebs in den nächsten Jahren zudem signifikant erhöhen. All dies sind gute Gründe sich im Kampf gegen diese Krankheit zu engagieren. Warum zudem aber ein Handeln auf europäischer Ebene notwendig ist wird klar, wenn man die Unterschiede in der Krebsdiagnose und -behandlung zwischen den Mitgliedstaaten betrachtet. So ist die Sterberate bei männlichen Lungenkrebspatienten in einigen Mitgliedstaaten mehr als dreimal so hoch wie in anderen Mitgliedstaaten - bei Darmkrebspatienten ist die Sterberate sogar viermal so hoch. Das bedeutet im Klartext, dass Menschen in Europa an Krebs sterben, obwohl sie durch bessere Vorsorge- und Behandlungsmaßnahmen gerettet werden könnten. Dies ist ein unhaltbarer Zustand.

Für alle Bürger Europas muss der Zugang zu den bestmöglichen Vorsorgemaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten gewährleistet werden und gleichzeitig muss dafür gesorgt werden, dass weiter intensiv an neuen Verfahren und Medikamenten geforscht wird.

Damit der Kampf gegen den Krebs ein vorrangiges Ziel der EU Gesundheitspolitik bleibt, engagiere ich mich in der Gruppe "Members of European Parliament Against Cancer" (MAC). Dieser informelle Zusammenschluss von EU-Parlamentariern hat sich nicht nur zum Ziel gesetzt dafür zu sorgen, dass das Thema Krebs im Europäischen Parlament auf der Agenda bleibt. Vielmehr sollen die Krebsbekämpfung und die Förderung der Krebsforschung in allen relevanten Rechtsakten der EU (wie etwa Forschungsrahmenprogrammen) Beachtung finden. Zudem muss auch auf die korrekte Umsetzung von durch die EU beschlossenen Maßnahmen in den Mitgliedstaaten geachtet werden.

Denn die Kooperation auf europäischer Ebene hat schon in der Vergangenheit durchaus vorzeigbare Resultate hervorgebracht. Das von 1987 bis 2000 laufende "Europe against Cancer"-Programm der EU führte laut einer Studie aus dem Jahr 2003 zu einer neunprozentigen Reduzierung der erwarteten Sterbefälle durch Krebs. Die bestehenden Ungleichgewichte zwischen den Mitgliedstaaten zeigen jedoch, dass mehr getan werden muss. Die EU hat deshalb umfangreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Vermeidung, der Früherkennung und der Behandlung von Krebs ergriffen.

 

[European Code Against Cancer]

Im Idealfall kommt es erst gar nicht zu einer Krebserkrankung. Mittlerweile hat die Wissenschaft eine ganze Reihe von Risikofaktoren identifiziert, welche die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken stark erhöhen. Einige dieser Faktoren, wie etwa übermäßiger Alkohol- und Tabakkonsum, das zu lange verharren in der Sonne oder Übergewichtigkeit, sind wohlbekannt, andere jedoch müssen noch mehr in das Bewusstsein der Menschen rücken. Die EU Kommission veröffentlichte deshalb 1990 einen Verhaltenskodex für die Bürgerinnen und Bürger, um Krebserkrankungen effektiv vorzubeugen. Dieser Kodex, der "European Code Against Cancer", enthält einfache Empfehlungen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen fußen und regelmäßig überprüft und angepasst werden. Die aktuell gültige dritte Fassung des Kodex wurde 2003 herausgegeben.

 

[Diagnoseleitlinien]

Eine Krebsdiagnose ist in jedem Fall ein existenzbedrohender Schicksalsschlag für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Kommt diese jedoch zu spät, ist sie oft ein sicheres Todesurteil. Neben der Minimierung von Risikofaktoren gehört die Verbesserung der Früherkennung von Krebs deshalb zu den wichtigsten Maßnahmen, die es im Kampf gegen diese Krankheit zu ergreifen gilt. Denn je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Im Dezember 2003 verabschiedete der Rat der Europäischen Union deshalb einstimmig eine Empfehlung, in der Europäische Leitlinien für die Früherkennung der häufigsten Krebserkrankungen gefordert wurden. Nach der Veröffentlichung von Leitlinien zur Brustkrebs- und Gebärmutterhalskrebsvorsorge wurden Anfang 2011 auch die Leitlinien zur Darmkrebsvorsorge fertig gestellt.

Das Parlament hatte die Kommission schon am 20. September 2010 in einer von mir gemeinsam mit weiteren Abgeordneten verfassten schriftlichen Erklärung (0068/2010) dazu aufgefordert, die Leitlinien zur Darmkrebsvorsorge zeitnah zu veröffentlichen und weitere Maßnahmen zur Aufklärung der Bevölkerung und zur Verbesserung der Vorsorge zu ergreifen. Grund für die schriftliche Erklärung war die Erkenntnis, dass in der EU jedes Jahr 400.000 neue Fälle von Darmkrebs und 200.000 Todesfälle durch Darmkrebs auftreten und die Sterblichkeitsrate durch bessere Vorsorge um bis zu 40% verringert werden kann. Durch die bevölkerungsweite Durchführung von Verfahren zur Früherkennung, die von der EU empfohlen worden waren, konnte die Sterblichkeit durch Darmkrebs schon zuvor um etwa 15% verringert werden.

Die Leitlinien werden vom Internationalen Krebsforschungszentrum koordiniert und enthalten Grundsätze, die für die Früherkennung und Diagnose von zentraler Bedeutung sind. Ziel ist es das Niveau der Vorsorge, Erkennung und Behandlung anzuheben, indem man die am besten geeigneten Verfahren zum Standard erhebt.

 

[Weitere Maßnahmen]

Um eine bessere Vergleichbarkeit der Leistungsfähigkeit der nationalen Gesundheitssysteme herzustellen und den Austausch über Methoden zur Vorsorge, Erkennung und Behandlung von Krebs zu erleichtern, wurden zwischen 2003 und 2008 im sogenannten EUROCHIP-Projekt (European Cancer Health Indicator Project) außerdem insgesamt 134 Indikatoren bestimmt, die nicht nur Aufschluss über den Gesundheitszustand der Bevölkerung eines Mitgliedstaates geben, sondern auch Erkenntnisse über die Kosteneffektivität und Effizienz der nationalen Systeme ermöglichen.

Die 2009 ins Leben gerufene und vorerst bis zum Ende des bis 2013 gültigen Finanzrahmens laufende Europäische Partnerschaft zur Krebsbekämpfung stellt ein Forum zum Austausch von Informationen und Forschungsergebnissen dar. Es trägt dazu bei Prioritäten in der Krebsforschung festzulegen und die Krebsforschung zu koordinieren und somit effektiver zu machen. Das ambitionierte Langzeitziel der Partnerschaft ist die Zahl der Neuerkrankungen bis 2020 um 15% zu reduzieren.